Vom 1. bis 4. Juni weilten 45 Colditzer Bürger in der befreundeten Gemeinde St. Stefan im Gailtal in Kärnten/Österreich, die aus 20 Ortsteilen mit insgesamt 1600 Einwohnern besteht. Anfang des Jahres hatte Bürgermeister Matthias Schmiedel gemeinsam mit dem Verein für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen e.V. zu dieser Reise eingeladen und die Resonanz darauf war groß.

Nach 11- stündiger Busfahrt wurden wir Reisenden bei der Ankunft vor Ort von Gemeinderat Hannes Millonig herzlich willkommen geheißen. Er überbrachte die Grüße des St. Stefaner Bürgermeisters Ronny Rull, der leider aus Krankheitsgründen nicht persönlich anwesend sein konnte. Nachdem wir Quartier im familiär geführten Naturgut Gailtal in Matschiedl und im Hotel Karnischer Hof in St. Paul an der Gail bezogen hatten, genossen wir den herrlichen Ausblick aus dem Unteren Gailtal auf die Karnische Alpenkette im Süden und die Gailtaler Alpen im Norden.

Am nächsten Tag ging es direkt nach dem Frühstück in die nahegelegene Bezirksstadt Hermagor. Dort hatten wir uns zum 26. Gailtaler Speckfest angesagt und wurden vom Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See, Walter Zerza, in Empfang genommen. Bei der Eröffnungsveranstaltung im Festzelt wurden wir durch die Veranstaltungsleitung als Gäste aus dem sächsischen Colditz gesondert begrüßt. Das Gailtaler Speckfest, von den Einheimischen als „Genussfest für Gaumen und Herzen“ bezeichnet, zählt mit seinen ca. 30.000 Besuchern und der Unterhaltung durch Volksmusikgruppen aus dem gesamten Alpe-Adria-Raum zu den absoluten Highlights in Kärnten. Natürlich konnte der Gailtaler Speck mit seinem typischen Aroma, ein von der EU geschütztes Produkt, an den zahlreiche Ständen entlang der Flaniermeile in der Altstadt verkostet werden. Aber auch noch so manch andere Kärntener Spezialität fand bei uns Besuchern seinen Käufer. Speckfest-Chef Albert Jank führte uns durch seinen bäuerlichen Familienbetrieb und erläuterte uns den Weg von der Schweineaufzucht über die Schlachtung sowie den Produktions- und Reifeprozess des Produktes bis hin zur Verplombung der goldgeräucherten, würzigen Speckseiten als Gütesiegel bäuerlicher Produktion.

Eine geplante Wanderung um den naturbelassenen Pressegger See östlich von Hermagor fiel aufgrund eines starken Gewitters im Gailtal buchstäblich ins Wasser. Interessant jedoch zu wissen, dass dieser See mit seinen 55 Hektar Fläche, einer Breite von 600 Metern und einer Länge von einem Kilometer der neuntgrößte in Kärnten ist. Am dritten Reisetag Stand die Fahrt zum Nassfeld in den Karnischen Alpen im Mittelpunkt - einem Gebiet 1530 Meter über dem Meeresspiegel zwischen dem österreichischen Gail- und dem italienischen Kanaltal. An dessen östlicher Seite befindet sich das größte Skigebiet Kärntens umgeben von einem herrlichen Bergpanorama. Dort sollte auch die Wulfenia blühen, eine ganz besondere botanische Kostbarkeit, die in Europa nur in diesem Gebiet vorkommt und dort 1779 vom Jesuitenpater und Botaniker Franz Xaver Freiherr von Wulfen entdeckt wurde. Unsere Begleitung aus dem Gemeindeamt St. Stefan, Angelika Logar, hatte es sich nicht nehmen lassen uns an ihrem freien Sonntag zur Watschiger Alm zu begleiten, um uns die blau blühende Blume zu zeigen, deren Heimat Afghanistan und der Himalaya ist. Wir hatten Glück und konnten einige wenige Exemplare dieser stark geschützten Pflanze bestaunen und fotografieren. Der Besuch der “Grazi-Mühle“, südlich von St.Paul in einer wasserreichen Talsenke gelegen, rundete unser Aufenthaltsprogramm ab. Dort wurden wir vom Besitzer Erwin Schumi und seiner Familie herzlich empfangen und mit Kärntener Kuchenspezialitäten verwöhnt. Seit 2000 dreht sich das Wasserrad der restaurierten und zum Teil neu errichteten Mühlen- Anlage wieder und gilt heute als Schauobjekt erhaltener bäuerlicher Kultur im Gailtal. Bei einem Treffen mit Gemeinderat Robert Druml in der Mühle würdigte dieser im Gespräch mit Bürgermeister Schmiedel und Mitgliedern des Städtepartnerschaftsvereins die langjährigen freundschaftlichen Verbindungen zwischen den Bürgern von St. Stefan und Colditz.

Natürlich konnte die Reise nur einen kleinen Ausschnitt aus der Naturvielfalt und Lebensweise eines ganz speziellen Gebietes unseres österreichischen Nachbarlandes vermitteln, aber alle Mitreisenden waren sich einig in ihrer Begeisterung von der herrlichen Naturwelt der Alpen und der herzlichen Aufnahme durch die Bürger in einem der schönsten Täler Kärntens.

Bernd Petschick

Verein für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen e.V. Colditz

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